Ein Osterei zu Weihnachten?
oder Die Geschichte vom Weihnachtsei
Als ich mich spontan dazu entschloss, einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt aufbauen zu wollen, hatte ich zunächst keine Idee davon, was ich den Besuchern anbieten könnte. Bestickte Eier jedenfalls waren nicht unbedingt meine erste Wahl. Der Gedanke daran war jedoch gesät, ließ mich nicht mehr los und arbeitete in mir. Bei Recherchen stolperte ich schließlich über einen Artikel von Brigitte Bitto, Redakteurin beim Sonntagsblatt des Evangelischen Presseverbandes Bayern e. V. Sie hatte für einen am 3. Dezember 2024 erschienenen Artikel Herrn Pfarrer Martin Weber aus Tegernsee interviewt. Herr Weber hatte nämlich - gewiss zur Verwunderung seiner Gemeinde - mit den Terminen für die Adventsgottesdienste auch etwa 2.500 bunte Ostereier an die Mitglieder verteilt.
Die Frage lautete daher: Warum? Gleich vorweg: Es war kein Scherz. Vielmehr, so erklärte Pfarrer Weber, führte die Aktion "zum Wesen von Weihnachten". Also noch einmal: Warum nun Ostereier zu Weihnachten? Weil Jesu Leben, das an Weihnachten anfängt, so wird Pfarrer Weber weiter zitiert, nicht von seinem Beginn, sondern von seinem Ende her gedacht werden müsse - also von Ostern."
Nachfolgend möchte ich aus dem Artikel weiter zitieren, weil ich es selbst nicht besser wiedergeben könnte:
"Ursprünglich wurde nur die Ostergeschichte erzählt. Die Geschichte von der Geburt Jesu war das letzte, was aufgeschrieben wurde", sagt Weber. Doch sie wurde nicht einfach als Bericht von dem, dass da ein besonderes Kind geboren wurde, geschrieben: "Die Weihnachtsgeschichte ist viel mehr".
Betonung der Verbindung zwischen Weihnachten und Ostern
Sie bilde den Abschluss dessen, wofür das ganze Leben Jesu steht. Alles, was wir nach der Auferstehung von Jesus erfahren haben, sollte schon ganz am Anfang mit drinstecken in der Geschichte, sagt Weber. "Quasi das 'Osterei im Weihnachtsbaum': Verborgen, aber doch da." So wiesen auch die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland schon auf Ostern hin, erklärt der Pfarrer: Gold, Weihrauch und Myrrhe seien Symbole für die Ewigkeit und das Reich Gottes. "In Weihnachten steckt Ostern drin", sagt Weber: Weil nur vom Ende her der Anfang gesehen werden kann.
Deshalb wünsche man sich auch "Schöne Weihnachten". Weil es kein sinnentleertes, oberflächliches Event ist, das man jedes Jahr wieder feiert, "weil man halt feiert". Es sei echt, weil es die Sehnsucht des Lebens beschreibe, sagt Weber. Weil es zeige, "dass wir einen Gott haben, der für uns da ist, unser Leben kennt, der uns trägt, der uns hält und der versteht, wenn wir zu ihm kommen". Und das deshalb, weil er dieses Leben selbst gelebt habe: von der Geburt bis über sein Ende hinaus."
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Soweit also die Erklärung, warum das Ei als zutiefst christliches Symbol unbedingt an den Weihnachtsbaum gehört: Verborgen, aber doch da.
Kennst Du den amerikanischen Brauch von der "Christmas pickle"? Der Weihnachtsbaumschmuck aus Glas in Form einer kleinen Gewürzgurke wird im Weihnachtsbaum versteckt und wer dann die Gurke zuerst entdeckt, soll im kommenden Jahr Glück haben. Eine schöne Idee und wunderbar übertragbar auf das Ei im Baum. Denn genau so sind meine Christbaumeier gestaltet. Sie werden nicht gefärbt, sondern behalten ihre natürliche Farbe. In Kombination mit der Stickerei wirken sie zurückhaltend und werden am Baum erst auf den zweiten Blick zum Hingucker.